Waidmannsheil!

In unserem Revier läuft ein älterer Bock, der sich aufgrund seiner Erfahrung und Schläue immer wieder einer erfolgreichen Bejagung entzogen hat.



Wie oft pirschte ich frühmorgens noch bei Dunkelheit zu verschiedenen Sitzen, nur um ihn, kurz vor dem Aufbaumen, höhnisch bellen zu hören!
Nach einem völlig verregneten Tag setzte ich mich am Abend auf eine kleine, offene Kanzel im Feld. Im Weizen wusste ich von einem Schmalreh, auf das ich meine Hoffnung setzte.
Ich saß keine fünf Minuten, als mich ein leises Knacken unter der Kanzel hellhörig werden ließ -
ich traute meinen Augen kaum: der Bock stand am Fuß der Leiter, keine drei Meter unterhalb und bewindete meine Spur. Welch ein Kopfschmuck! Ich meinte, er müsste mein Herz klopfen hören, so nah stand er da!

Er zog es jedoch vor, nochmals im Schilf zu verschwinden und für mich war die Sache eigentlich erledigt - er hatte Wind bekommen und würde hier und heute nicht mehr erscheinen...

Nach einer Stunde halbherzigen Wartens tat sich jedoch etwas im Weizen! Da zog er, der Recke! Nur sein Haupt war zu sehen. Auf die angrenzende Wiese sprang das Schmalreh, der Bock trat aus und die junge Dame umkreiste ihn! Er stellte sich in Positur und ließ sich hofieren. Das war der Moment, ihm einen sicheren Schuss antragen zu können. Er verschwand in einer Senke, das Schmalreh zog sich in den Weizen zurück.

Zeno lief in freier Suche die Wiese ab und fand das Stück sofort, was er mir freudigst bellend mitteilte.
Dankbar ließen wir uns bei diesem braven Bock für einen Moment nieder - ich habe das Gefühl, dass auch mein Hund diesen Augenblick des Innehaltens zu wertschätzen weiß.



Juli 2017